Hinter den Kulissen. Ein Tag Caterer.
- 11. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Ein Tag im Leben eines Caterers – Hinter den Kulissen bei Heintjes AG
Liebes Tagebuch
Natürlich ist nicht jeder Tag genau gleich – das ist absolut logisch. Schließlich machen wir genau aus diesem Grund diesen Job. Aber eines ist sicher: Wenn um 09:00 Uhr das Licht angeht, kommt Leben in die Bude.
Der Chef ist eventuell etwas früher da. Die Ruhe vor dem Sturm nutzen, um noch einen klaren Gedanken zu fassen. Schnell umgezogen wird auch schon die Kaffeemaschine ans Limit getrieben. Ohne Koffein geht in dieser Branche nichts. Die Tage sind lang – da ist Doping am Morgen erlaubt.
Ja, du hast richtig gelesen: 9 Uhr! Das hat durchaus Struktur. Keiner will nach einem Event bis morgens um 2 Uhr und dann um sieben oder acht wieder in der Bude stehen. Im Sommer wäre das vielleicht angenehm, da man so der Hitze entgehen könnte. Da dies aber unsere Hauptsaison ist, fällt das auch ins Wasser.
Der Familienrat am Küchentisch
Also weiter im Text. Nachdem sich alle mit dem schwarzen Gold ausgerüstet haben, wird im Wohnzimmerbüro am Familientisch erstmal der Tag besprochen. Der Familienrat bespricht alles Wichtige für den Tag und für den darauffolgenden – wir arbeiten schließlich voraus.
Die Autos werden verteilt
Abholungen besprochen
Mise en Place-Liste definiert
Fragen beantwortet
Alle wissen, was läuft? Auf geht's.

Wenn der Herd brodelt
Das Mittagessen fürs Mittagskonzept „HOST" brutzelt auf dem Herd und im Ofen. Sechs Töpfe brodeln auf dem Herd, alle Öfen sind voll. Der Kühlschrank geht auf und zu wie in einem Bienenhaus. Jeder ist konzentriert bei der Arbeit.
Um 11:30 Uhr geht die Tür auf und die benachbarten Bürolisten und Arbeiter werden verköstigt. Wenn um 13:00 Uhr der größte Spuk durch ist, wird gemeinsam gegessen. Da kommt es auch immer mal vor, dass noch Lieferanten oder Bekannte vorbeischauen. Für 30 bis 45 Minuten ist ausgelassene Stimmung am Tisch.
Gemeinsames Essen ist uns wichtig. Erstens für die Stimmung, aber auch für die Nährstoffaufnahme. Mit leerem Tank fährt sich nicht gut.
Finish, Packen, Laden – und ab geht's
Wieder geht es an den Herd. Der Finish für den heutigen Tag wird in Angriff genommen. Um 15:30 Uhr heißt es: fertig gepackt und laden. Dafür rechnen wir auch immer noch 30 Minuten ein. Dank unserem Logistiksystem wissen wir genau, welches Auto wie beladen werden kann. Zudem ist alles rollbar – das erleichtert das Ein- und Ausladen enorm.
Zügeln nennen wir das. Das, was ein Zügelunternehmen macht, können wir doppelt so schnell. Wir machen das Ganze ja doppelt: vier Mal hin und her, statt nur zwei. Dafür schlagen wir uns nicht mit PAX-Schränken herum.
In der Regel (je nach Event unterschiedlich) geht's dann um 16:00 Uhr los. Heute sind es 35 Minuten Fahrt an den schönen Zürisee. Parkiert und schnell ausgeladen, bringen wir unser ganzes Hab und Gut an den dafür vorgesehenen Ort.
Aufbau: Flexibilität ist alles
Mit dem Auftraggeber wird schnell nochmals alles grob besprochen. Denn trotz Vorabklärungen gibt es immer gern spontane Änderungen. Dies wissen wir gerne vor dem Aufbau. Jetzt ist es easy, alles noch zu verrücken – wenn's aufgebaut ist, wird's schon komplizierter.
Tische sind schnell aufgebaut. Diese befinden sich immer an Bord unserer Flotte. Schließlich brauchen wir sie immer, und so sind wir auf der sicheren Seite.
Küche steht. Blankes Edelstahl glänzt uns entgegen. 90 cm in der Höhe – wir stehen wie zu Hause und bereiten den Apéro vor. (Keiner will auf einer Festbank arbeiten, da tut mir beim Schreiben schon der Rücken weh.)
Das Team ist eingespielt, die Servicestation steht. Stehtische werden verkleidet, die Deko findet den Platz an den vorgesehenen Orten. Lämpchen und die letzten Details werden besprochen.

Service Briefing – und dann: Showtime
Küche und Serviceleitung erläutern dem Team den Plan:
Timetable
Gäste
Wünsche
Spezielles
Kleiner Rundgang für die erst Eingetroffenen. Dann geht's in die Wartephase. In der Küche gibt es stets was zu tun. Wir sind bereit.
Sobald die Gäste eintreffen, geht alles den gewohnten Gang.

Der Spuk ist vorbei – und das Aufräumen beginnt
Nach ein paar Stunden ist der Spuk bereits vorbei. Tagelange Vorbereitungen in Stunden verputzt. Intensiv, aber Spaß hat's gemacht – die Gäste waren glücklich.
So gewt's hinter den Kulissen zu und her, schnell muss es gehen, reibungslos.
Das ist einer der wichtigsten Punkte, dafür stehen wir jeden Tag auf. Und dafür, dass wir jeden Tag wo anders sein dürfen.
Nun beginnt der gleiche Teil wieder rückwärts. Alles wird wieder in die dafür vorgesehenen Boxen verpackt. Die Tische geputzt und wieder im Auto verstaut. Innert Minuten ist die Küche verschwunden – genauso wie die letzten Gäste.
Langsam wird im Hintergrund das Material Richtung Auto geschoben, ohne die Gäste zu stören, versteht sich. Der Staff dünnt sich langsam aus. Effizienz ist auch hier wichtig.
Letzte Amtshandlung: Persönlich bis zur Rechnung
Kaum ist der Letzte gegangen: Licht an, packen, laden, packen, laden. So sind wir innert 40 Minuten am Ende. Alles ist fein säuberlich verstaut. Das erleichtert das Aufräumen am Folgetag.
Man spricht das letzte Mal an diesem Abend mit dem Auftraggeber. Persönlich und zuvorkommend bis zur Rechnung, sage ich immer.
Nun ist es mittlerweile kurz nach 23:00 Uhr, bis wir uns in Bewegung setzen. In Richtung Autobahn.
Mitternacht: Noch nicht geschafft
Gegen Mitternacht sind wir zurück. Noch ist es nicht geschafft. Falls es Essen gibt, das man noch verwenden kann (sofern die Kühlkette ungebrochen war), wird dies als letzte Amtshandlung in den Kühler geschoben.
Ausladen ist ein Problem vom Zukunfts-Ich.
So endet ein weiterer Tag. Umziehen und ab nach Hause ins Bett. Morgen geht's wieder weiter.
Falls kein Event ansteht, geht's ans Aufräumen. Während Gäste noch vage an den Event zurückdenken, sind wir immer noch dabei.
Und freuen uns bereits auf den nächsten.
Fazit: Kein Tag wie der andere – und genau das lieben wir
Ein Tag im Leben eines Caterers ist intensiv, dynamisch und voller Überraschungen. Von der Mise en Place am Morgen bis zum letzten Handgriff um Mitternacht – jeder Moment zählt. Und genau das macht unseren Job aus: Leidenschaft, Teamwork und die Freude daran, Menschen glücklich zu machen.

